Anzeige
Anzeige
Teil 4: Wissensbilanzierung - Erfahrungsbericht bei der badenIT |
|
|
Im Jahr 2005 wurde bei der badenIT ein Projekt mit dem Titel „Qualitätsoffensive“ t t gestartet. Der Anspruch an dieses Projekt war klar definiert: Durch die Verbesserung unserer Services und deren Qualität sollte die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesteigert werden. Welche Konsequenzen dieses Projekt nach sich ziehen würde, war damals noch nicht abzusehen. Heute erkennen wir, dass sich das gesamte Unternehmen im Laufe dieses Projekts erheblich verändert hat: Zu den augenfälligsten Veränderungen gehört die Umgestaltung sämtlicher Serviceprozesse der badenIT, die nach ITIL Best Practices angepasst, überarbeitet und dokumentiert wurden. Folgerichtig hatte man sich entschlossen, diese Leistungen durch den TÜV mit der ISO 20000-Zertifizierung regelmäßig überprüfen zu lassen. Seit 2007 gehören deshalb jährliche Re-Zertifizierungen zum normalen Ablauf eines Geschäftsjahres im Unternehmen.
Beschreibung stammt vom Autor; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt. Damit diese neue Ausrichtung überhaupt erst wirksam werden konnte, war ein Umdenken im Unternehmen notwendig: Die Mitarbeiter sollten sich nicht mehr vorrangig an ihren eigenen Aufgabenbereichen orientieren sondern lernen, sich als Teil einer größeren Gesamtheit im Sinne der Prozessorientierung zu begreifen. Die Idee: Wissen als „Rohstoff“ nutzenSeit dem Projektstart in 2005 ist innerhalb der badenIT aber auch die Erkenntnis gewachsen, dass ein Unternehmen sich durch eine optimale Prozessorganisation zwar sehr gut aufstellen kann, dass dies jedoch im härter werdenden Wettbewerb auf Dauer keineswegs ausreicht. Insbesondere in der IT-Dienstleistungsbranche tragen spezialisiertes Fachwissen und unbedingter Innovationswille wesentlich zum Geschäftserfolg bei. Um angesichts des rasanten technologischen Wandels auf der Höhe der Zeit zu bleiben, wird vorausgesetzt, dass sich die Mitarbeiter täglich neues Fachwissen aneignen und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Auch die Kunden erwarten von einem IT-Dienstleister - neben der Gewährleistung eines produktiven IT-Betriebs - mehr und mehr qualifizierte Beratungsleistungen, um im komplexen Geflecht der IT ihren individuell richtigen Weg in die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade deshalb schien es uns eminent wichtig, das vorhandene Wissen im Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen und weiterzuentwickeln. Wissensbilanzierung - der Startschuss fälltEnde 2007 setzten wir uns erstmals mit dem Thema „Wissensbilanzierung“ auseinander. Der Gedanke, dass es möglich sein sollte, das Wissen eines Unternehmens gewissermaßen auf den Prüfstand zu legen und auf Zukunftsfähigkeit zu trimmen, sorgte für Begeisterung. Kurzerhand wurde ein kleines Projektteam gebildet, in dem unsere BA-Studentin Manuela Danhofer eine führende Rolle übernahm. Nach einem ersten Treffen mit dem Unternehmensberater Günter Monjau (RMC GmbH) und einer vertiefenden Recherche auf der Homepage des Arbeitskreises Wissensbilanzierung (www.akwissensbilanz.org) zeigte sich, dass wir die Dimension des Themas einigermaßen unterschätzt hatten. Anzeige Denn Wissensbilanzierung ist nicht nur ein Instrument, mit dem das Fachwissen einzelner Mitarbeiter konsequent gefördert werden kann. Vielmehr bezieht dieser methodische Ansatz das gesamte verfügbare Wissen innerhalb eines Unternehmens mit ein, sowohl das Fachwissen der Mitarbeiter aber eben auch jenes Wissen, das im Netzwerk der Firma (beispielsweise zu Kunden und Lieferanten) oder in den Prozessen und Strukturen des Unternehmens vorhanden ist. Durch den Prozess der Wissensbilanzierung soll es anhand spezifischer Indikatoren greifbar gemacht werden, mit dem Ziel, den Wissensaufbau konsequent zu fördern und weiterzuentwickeln. Identifizierung immaterieller Ressourcen
Abb.1: Kapitalfaktoren Zur Erarbeitung dieser Bilanz griffen wir auf die Wissensbilanz-Toolbox des BMWi zurück. Der Vorteil dabei: Dieses Werkzeug erlaubt eine strukturierte Erarbeitung des Themas und hat uns kompetent auf dem Weg zu den ersten Resultaten begleitet. Um den Aufwand für dieses Projekt sinnvoll einzugrenzen, beschränkten wir unsere Überlegungen auf die Abteilung Kundenbeziehungen, in der die Bereiche Vertrieb, das Marketing und das Produktmanagement zusammengefasst sind. Da die badenIT schon seit geraumer Zeit zur Unternehmenssteuerung die Balanced-Score-Card-Methode eingeführt hat, konnten wir das zugrunde liegende Geschäftsmodell mit Vision, Strategie und den Erfolgsfaktoren in kurzer Zeit erarbeiten und in der Toolbox hinterlegen. Auch bei der Definition der Geschäftsprozesse konnten wir auf bereits geleistete Vorarbeit zurückgreifen: Im Zuge der ITIL-Ausrichtung unsere Prozesse war eine detaillierte Prozesslandkarte mit Zusammenhängen und Schnittstellen erstellt worden Als ungleich aufwändiger sollte sich die Erarbeitung des intellektuellen Kapitals innerhalb des Unternehmens erweisen: Das Modell der Wissensbilanzierung unterscheidet mit Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital drei Kapitalarten, deren einzelne Faktoren jeweils erfasst und beschrieben werden mussten. Hierbei halfen uns einerseits diverse Checklisten, die zahlreiche Vorschläge und Fragestellungen lieferten andererseits aber auch die eminent wichtige Diskussion mit unserem externen Berater mit dem wir und Schnittstellen erstellt worden. lieferten, Berater, unsere Definitionen hinterfragten. Die schwierigste Aufgabe hierbei bestand darin, sich auf die wirklich relevanten Punkte zu beschränken, da im nächsten Arbeitsschritt eine Bewertung aller Kapitalfaktoren und deren Wechselwirkungen durchgeführt werden musste. Wissensaufbau effizient steuernDie Bewertung der einzelnen Faktoren stellte für uns den aufschlussreichsten Teil der Wissensbilanzierung dar. Sicherlich waren uns Schwächen und Stärken der Abteilung und des Unternehmens durchaus bekannt, aber diese so schonungslos und klar vor Augen geführt zu bekommen, war eine besondere Erfahrung. Insbesondere beim Verfassen der Texte, in denen wir unsere getroffenen Einschätzungen begründen mussten, wurde offenkundig, wo genau die Defizite in der Abteilung lagen. Andererseits – und das erscheint tröstlich - haben wir ebenfalls die Fortschritte deutlich identifiziert, die in einigen Bereichen bereits erzielt wurden. Nachdem die Geschäftsprozesse, die Erfolgs- und die Kapitalfaktoren bewertet waren, mussten relevante Indikatoren erarbeitet werden, die die Entwicklung objektivieren und künftig messbar machen sollten. Hier konnten wir ebenfalls auf einzelne Indikatoren aus der Balanced-Score-Card des Unternehmens zurückgreifen. Dabei haben wir jedoch festgestellt, dass diese für den Zweck der Wissensbilanzierung nicht in jedem Fall ausreichend sind. Da der Erfolg dieser Methode ohne aussagekräftige Indikatoren jedoch fragwürdig erscheint, ist die hier investierte Zeit sicherlich gut angelegt. Entscheidend zur Erstellung der Wissensbilanz ist die Beurteilung der Wirkungen der einzelnen Kapitalarten untereinander. Hierzu gehört beispielsweise die Frage, wie groß der Einfluss der Produktinnovation auf den Akquiseprozess ist und ob diese Wirkung schnell, mittelfristig oder langfristig zur Geltung kommt. In diesem Projektschritt zahlte sich aus, dass wir uns bei den Definitionen ausschließlich auf die wichtigsten Faktoren beschränkt hatten. So konnten wir diese Wirkungsmatrix ausarbeiten, ohne dass der hierfür notwendige Aufwand den zeitlichen Rahmen über Gebühr belastet hätte.
Abb.2:Wirkungsmatrix Potenzial-Portfolio als PlanungsgrundlageDie Wissensbilanz-Toolbox stellt zur Auswertung einige interessante Grafiken zur Verfügung. So werden alle Faktoren bezüglich Qualität, Quantität und Systematik dargestellt. Dadurch ergibt sich ein hervorragender Überblick über den aktuellen Stand in der Abteilung. Das Poten ial Portfolio eigt anscha lich a f elche Faktoren ein großes Einfl ssge icht besit en nd dabei Abb. Potenzial-zeigt anschaulich auf, welche Einflussgewicht besitzen und noch wenig entwickelt sind. Diese bieten sich besonders für die im nächsten Projektschritt zu entwickelnden Maßnahmen an. Die Maßnahmenentwicklung ist unseres Erachtens die wahrscheinlich wichtigste Phase bei der Erstellung einer Wissensbilanzierung. Sicher ist es bereits hoch interessant die ersten Auswertungen zu analysieren – entscheidend für die Wirksamkeit der Bilanz ist es jedoch, die richtigen Schlüsse zu ziehen und daraus entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung oder Stabilisierung abzuleiten. Welche Prozesse oder Kapitalfaktoren dabei angegangen werden sollen, hatten wir anhand des Potenzial-Portfolios rasch identifiziert. Bei der Ausarbeitung- und Planung der Maßnahmen, war uns das erarbeitete Wirkungsnetz eine nützliche Hilfe. Es zeigte deutlich auf, welche Abhängigkeiten zu anderen Faktoren bestehen und welche Zeiträume zugrunde gelegt werden müssen, damit geplante Änderungen wirksam werden können.
Abb.2:Wirkungsnetz »FazitDie aus der Wissensbilanzierung abgeleiteten konkreten Maßnahmen haben uns in der Überzeugung bestärkt, dass wir mit der Entscheidung für dieses Projekt einen richtigen und wichtigen Schritt gemacht haben Diese Methode stellt unseres Erachtens einen Meilenstein für die weitere Entwicklung der Abteilung Abb. 3: Wirkungsnetz haben. in einem härter werdenden Wettbewerb dar. Sie macht es möglich, objektive Aussagen über die Wissensbasis in unserer Abteilung zu treffen und benennt wichtige Handlungsfelder für die weitere Zukunft. Damit schafft sie eine sichere Grundlage für die Erreichung unserer mittel- und langfristigen Unternehmensziele. Die anfänglich oft mühsame Detailarbeit hat uns ein Instrument an die Hand gegeben, das uns sicherlich die nächsten Jahre weiter begleiten wird. Der Aufwand war nicht gering – verglichen mit anderen Projekten aber absolut vertretbar, da wir uns auf unsere Abteilung und die wichtigsten Aspekte beschränkt haben. Die erste Wissensbilanz werden wir in ungefähr einem halben Jahr erstellen, wenn die erarbeiteten Maßnahmen abgeschlossen sind und wir erste Messwerte für die Indikatoren gewonnen haben. Der dafür zu veranschlagende Aufwand ist nicht mehr so groß, da die wesentliche Vorarbeit im Projekt bereits geleistet wurde. Ein nächster wichtiger (Fort-)Schritt wäre es, die Wissensbilanzierung auf das gesamte Unternehmen auszudehnen. Insgesamt können wir jedem Unternehmen, das ähnlich stark auf Wissen fokussiert ist wie die badenIT, nur f hl i h itdi empfehlen, sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Es eröffnet neue Perspektiven auf ein bislang häufig vernachlässigtes Thema. Und es ergänzt die „nackten Zahlen“ der Unternehmensbilanz um ein vielleicht noch wertvolleres Gut – das Wissen.
Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder. Alle Rechte verbleiben beim Autor. Eine Vervielfältigung, Verbreitung und Neuauflage auch Auszugsweise ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers erlaubt. Zitate sind ausschließlich mit Herkunftsnachweis abzubilden. „Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder. Alle Rechte verbleiben beim Autor. Eine Vervielfältigung, Verbreitung und Neuauflage auch Auszugsweise ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers erlaubt. Zitate sind ausschließlich mit Herkunftsnachweis abzubilden. Der Autor alleine ist für den Inhalt des Artikels (und ggf. die Beschreibung des Autors) verantwortlich, existXchange.de übernimmt dafür keine Verantwortung. Ebenso haftet existXchange.de nicht für Inhalte von Seiten, auf die in diesem Artikel verlinkt wurde.“ Trackback(0)TrackBack URI für diesen EintragKommentare (0)Jeder Kommentar gibt die Meinung seines Verfassers wieder; existXchange.de macht sich ausdrücklich nicht den Inhalt der Kommentare zu eigen. Ebenso haftet existXchange.de nicht für Inhalte von Seiten, auf die in einem Kommentar verlinkt wurde. RSS feed KommentareKommentar schreiben |
|||
esther zu
Existenzgründungsberatung
esther zu
Ich AG, Überbrückungsgeld, Gründungszuschuss und Einstiegsgeld
Markus Schranner zu
Die Geschäftsidee
Markus Schranner zu
Die Geschäftsidee
Marcus zu
Die richtige Technik für Ihre Webseite
Silke zu
Die Geschäftsidee
? zu
Leitfaden: Die Gründung einer GmbH
axel 5377 zu
Experten-Chat: Fördermittel für Existenzgründer
Roman Spendler zu
Marketing und Vertrieb
Roman Spendler zu
Was ist der Zweck eines Businessplans
Innovation & Venture Management im 21. Jahrhundert
join my trip - Reisepartner
Selber machen mit Expli