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Teil 2: Wissensbilanzierung - Ergebnis einer Studie in Baden-Württemberg |
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„Wissen ist ein entscheidender Standortfaktor für Deutschland. (…). Insbesondere für den Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, wird Wissen damit zu einem kapitalen Unternehmenswert, der ebenso bewertet, gepflegt, erweitert und verwaltet werden muss wie materielle Vermögenswerte.“, so Bundeswirtschaftsminister Michael Glos in der Broschüre „Wissensbilanz - Made in Germany“ [1]. Diese Broschüre beschreibt eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zur Etablierung des Instruments der Wissensbilanz in der deutschen Unternehmenslandschaft.
Beschreibung stammt vom Autor; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt.
Gerade in Baden-Württemberg mit seinen mittelständischen und in weiten Bereichen hoch-innovativen Industrieunternehmen stellen sich Themen des Wissenserwerbs, der Wissensstrukturierung und Wissensnutzung im betrieblichen Alltag immer stärker. Das Kompetenzzentrum Unternehmensberatung der Berufsakademie Stuttgart und der Regionale Arbeitskreis Baden-Württemberg (RAK-BW) des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) haben daher in einer Online-Umfrage bei rund 4.500 Unternehmen in Baden-Württemberg nach dem aktuellen Stand im Bereich des Wissensmanagements gefragt.
Struktur der UmfrageDie Umfrage basiert auf einem Fragebogen aus dem Buch von Mathieu Weggemann.: „Wissensmanagement“, (c) 1999 by mitp, REDLINE GmbH, Heidelberg, Gemany. (www.mitp.de) [2], der mit freundlicher Genehmigung des Verlages verwendet wurde.
Durch die freundliche Unterstützung der Kompass GmbH, Freiburg, wurden dem Umfrageteam e-mail-Adressen baden-württembergischer Firmen als Kontaktbasis zur Verfügung gestellt, rund 4.500 e-mails konnten erfolgreich übermittelt werden. Hiervon haben sich 101 Unternehmen an der Umfrage beteiligt, was einer Rücklaufquote von 2,24% entspricht – für eine solche Online-Umfrage ein üblicher Wert, der aber auch zeigt, dass die Sensibilisierung für dieses Thema zumindest in den baden-württembergischen Unternehmen noch ausbaufähig ist.
Der Fragebogen enthält 51 Fragen zu den Themen Unternehmensdaten, Strategie/ Ziele, Wissensermittlung, Wissensinventarisierung, Wissenserwerb, Wissenstransfer, Wissensnutzung, Widerstände, Wissensevaluierung und Wissensbilanz. Zu vorgegebenen Aussagen wurde die Zustimmung auf einer Skala von 1 bis 4 abgefragt mit folgender Bedeutung: 1: große Zustimmung 2: teilweise Zustimmung 3: geringe Zustimmung 4: sehr geringe Zustimmung
Folgende Abbildung verdeutlicht die Auswertung:
Nachfolgend werden zu jedem Thema die Kernaussagen wiedergegeben.
Daten zu den teilnehmenden UnternehmenDie Kapitalgesellschaften sind bei den Umfrageteilnehmern klar in der Mehrheit.
Ebenso ergibt sich ein Schwerpunkt auf mittelständischen Unternehmen.
21,3% der Umfrageteilnehmer kommen aus der Maschinenbau-Branche, 11,2% aus dem Baugewerbe, 10,1% aus der Metallerzeugung und ebenfalls 10,1% aus der EDV, Elektrotechnik und Feinmechanik. 13 andere Branchen haben einen Anteil von unter 10%.
44,4% der Umfrageteilnehmer geben an, dass Ihr Unternehmen sich in der Wachstumsphase befindet, 37,4 % in der Reifephase und 18,2% im „Alter“.
Strategie und Wissen82% der befragten Unternehmen stimmen der Aussage „Ein Unternehmen sollte explizite Ziele haben“ in großem Umfang zu. Die Aussage „Unser Unternehmen hat sich Ziele gesetzt“ findet bei 69% der Umfrageteilnehmer sehr große, bei weiteren 26 % teilweise Zustimmung.
WissensermittlungBei der Ableitung der Wissensermittlung aus der Strategie sehen sich die Umfrageteilnehmer auf einem guten Stand. Die Ableitung von benötigtem Wissen aus strategischen Überlegungen heraus findet überwiegend große bzw. teilweise Zustimmung.
Ein Routinevorgang ist die Wissensermittlung allerdings nicht im selben Umfang.
WissensinventarisierungBei der Inventarisierung – und damit der einfachen Wiederauffindbarkeit von Wissen – vertrauen die Unternehmen auf informelle Strukturen.
Entsprechende Dokumentationen sind aber wenig verbreitet.
WissenserwerbBeim Wissenserwerb ergibt sich ein ähnliches Bild. Auch hier haben die Unternehmen ein klares Bild, welches Wissen entwickelt werden muss bzw. wo die Wissenslücken sind, Verfahren zur Wissensentwicklung haben sich aber nicht flächendeckend durchgesetzt.
WissenstransferBeim Transfer von Wissen im Unternehmen geben die Umfrageteilnehmer an, dass sowohl Wissen an die richtige Stelle gebracht wird als auch dass Wissenssuchende die richtigen Wissensträger im Unternehmen finden.
Teilen von WissenBeim Teilen von Wissen wird dabei stark auf informelle Kommunikation gesetzt. Teilen von Wissen wird dabei in den Unternehmen ermöglicht …
Bei strukturierten Verfahren und Methoden der Wissensteilung …
ergibt sich ein gemischtes Bild.
Nutzung von WissenDie Nutzung des Wissens ist nach Ansicht der Umfrageteilnehmer aber gewährleistet
WiderständeWenn es in den Unternehmen der Umfrageteilnehmer Widerstände gibt, neues, geteiltes Wissen anzunehmen, so ist dies in der Regel mit dem Festhalten an Tradiertem begründet.
Andere Faktoren wie fehlender Einbezug der betroffenen Mitarbeiter, mangelnder Mehrwert neu generierten Wissens oder Veränderungsresistenzen älterer Mitarbeiter finden überwiegend lediglich geringe oder sehr geringe Zustimmung.
Evaluierung von WissenEin gemischtes Bild ergibt sich bei der Evaluierung von Wissen, insbesondere beim „Aussortieren“ bzw. Ersetzen nicht mehr benötigten Wissens.
Erstellung von WissensbilanzenNur 4% der Umfrageteilnehmer haben bereits eine Wissensbilanz erstellt, lediglich 5% planen dies aktuell.
Dass die Umfrageteilnehmer die Verantwortung für die Wissensbilanz überwiegend bei der Geschäftsführung sehen, lässt aber die strategische Komponente dieses Instruments deutlich werden.
Wer ist für Wissensbilanzierung in Ihrem Unternehmen zuständig oder sollte zuständig sein?
FazitAls Grundaussage der Umfrage kann festgehalten werden, dass Wissensmanagement von den Umfrageteilnehmern als wichtiges Thema wahrgenommen wird und eine unmittelbare Verknüpfung zur Unternehmensstrategie gesehen wird. Interesse am Thema haben insbesondere Kapitalgesellschaften. Bei Wissensermittlung, Wissensinventarisierung und Wissenstransfer setzen die Unternehmen eher auf informelle denn auf strukturierte Verfahren. In dieses Bild passt auch, dass nur 4% der Umfrageteilnehmer bereits eine Wissensbilanz – ein typischer Vertreter eines strukturierten Wissensmanagements – durchgeführt haben und lediglich 5% dies planen.
Verbesserungspotenziale im Wissensmanagement baden-württembergischer Unternehmen sind daher durch die Anwendung strukturierter Verfahren wahrscheinlich. Der RAK BW des BDU und das Kompetenzzentrum Unternehmensberatung werden dies in Pilotprojekten in den kommenden Monaten evaluieren und die Ergebnisse beim 4. Freiburger Mittelstandskongress am 08. Oktober 2008 vorstellen.
Literatur [1] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: „Wissensbilanz – Made in Germany“, Berlin, 2006 [2] Mathieu Weggemann: „Wissensmanagement“, Heidelberg, 1999
Autor: Prof. Dr. Friedrich Augenstein Berufsakademie Stuttgart Kompetenzzentrum Unternehmensberatung Herdweg 29, 70174 Stuttgart Telefon: + 49 / (0) 711 / 1849 770 Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können www.ba-stuttgart.de
Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder. Alle Rechte verbleiben beim Autor. Eine Vervielfältigung, Verbreitung und Neuauflage auch Auszugsweise ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers erlaubt. Zitate sind ausschließlich mit Herkunftsnachweis abzubilden. |
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