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Welche Rechtsform für mein Unternehmen die richtige ist?

Welche Rechtsform für mein Unternehmen die richtige ist, welche Unterschiede es gibt und was sie bedeuten.

Unternehmen nehmen am täglichen Leben teil. Sie kaufen ein und müssen ihre Rechnungen bezahlen. Sie verkaufen Produkte und müssen für die dabei gemachten Versprechen einstehen. Sie beschäftigen Menschen und müssen dafür Löhne zahlen. Solange ausreichend Liquidität vorhanden ist, macht sich niemand über die Verantwortung, die dahinter steckt, Gedanken. Doch wer trägt die Verantwortung für das Handeln der Manager und Mitarbeiter eines Unternehmens? Wer muss für die Verpflichtungen aufkommen und in welcher Höhe?
Reinhard Bleiber

Über den Autor

Reinhard Bleiber ist Diplom-Kaufmann und trägt in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Handelsunternehmens die kaufmännische Gesamtverantwortung.

 

Beschreibung stammt vom Haufe Verlag; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt.

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Damit ein Unternehmen überhaupt einen Vertrag abschließen kann, muss es eine rechtliche Persönlichkeit haben. Im Gegensatz zu einem Menschen, der im Rechtsgeschäft eine natürliche Person ist, handelt es sich bei einem Unternehmen um ein von Gesetzen bestimmtes Gebilde, um eine juristische Person. An dieser juristischen Person hängt auch die Beantwortung der Fragen nach der Verantwortung, der Haftung, dem Einfluss und vielem mehr.

Achtung:
Wenn Sie mit Unternehmen Geschäfte machen, sollten Sie wissen, welche juristische Person sich dahinter verbringt. Nur so können Sie richtig abschätzen, wie sicher Ihre Ansprüche im Schadensfall sind. Als Unternehmer tragen Sie die Verantwortung für die Sicherheit Ihres Geschäftes und müssen wichtige Geschäftspartner richtig einschätzen können.

Die für das Unternehmen gewählte Rechtsform bestimmt die juristische Person und damit die Haftung und den Einfluss des Unternehmers. Auch die laufenden Kosten und die Gründungskosten hängen von der Wahl der Rechtsform ab. Es gibt Unterschiede in finanziellen, rechtlichen und in steuerlichen Angelegenheiten.

TipSuchen Sie sich unbedingt die Rechtsform aus, die zu Ihren persönlichen Vorstellungen passt. Berücksichtigen Sie dabei aber auch die Gegebenheiten der Branche, in der Sie tätig werden wollen. Denn auch das Image, das eine Rechtsform bei Ihren Geschäftspartnern hat, bestimmt den Umgang mit Ihrem Unternehmen.

Einen großen Einfluss auf die Rechtsform hat auch die Frage, ob es sich um einen einzelnen Existenzgründer handelt oder um Partner, die zusammen ein Unternehmen aufbauen wollen.

Die Parameter Haftung, Einfluss und Kosten

Die vom Gesetzgeber definierten Rechtsformen unterscheiden sich eindeutig und für den Außenstehenden klar erkennbar in der Höhe der Haftung, die der Unternehmer übernimmt. Von außen nicht deutlich erkennbar ist der Einfluss, den der Selbstständige auf die Belange des Unternehmens nehmen kann. Dabei spielen neben gesetzlichen Vorschriften auch vertragliche Regelungen eine Rolle. Allgemein bekannt dagegen sind wieder die Kosten, die durch die Rechtsform entstehen.

Die Haftung

Auch Unternehmen haften für Schulden und Fehler. Rechnungen von Lieferanten, Mieten, Löhne und Gehälter müssen gezahlt werden. Wie weit muss der Unternehmer haften, wenn sein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät und das Betriebsvermögen nicht mehr ausreicht?

  • Haftung vollständig und allein: Bei Existenzgründungen, die als Einzelunternehmen geführt werden, wird nicht zwischen Mensch und Unternehmen unterschieden. Der Gründer und sein Unternehmen sind rechtlich identisch. Für alle Verpflichtungen des Unternehmens kommt der Gründer alleine auf. Er haftet mit seinem gesamten Vermögen, dem Betriebsvermögen und dem Privatvermögen. Die hier zu klärende Frage der Haftung betrifft nicht das Betriebsvermögen eines Unternehmens. Es steht immer als Haftungsmasse für die Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung. Geklärt werden muss aber, wie weit sich darüber hinaus die Haftung des Unternehmers erstreckt. Dabei steht zumindest das Eigenkapital zur Debatte, aber auch das gesamte Privatvermögen des Existenzgründers.

    Achtung:
    Wenn Sie keine Rechtsform für Ihre Gründung wählen, entsteht automatisch ein Einzelunternehmen mit dem hohen Haftungsrisiko. Nichts zu tun ist also die gefährlichste Möglichkeit. Wer sich bewusst für die vollständige Haftung entscheidet, wird sich der Konsequenzen bewusst sein.

    TipEinzelunternehmen haben in der Regel ein gutes Image. Mit der Übernahme der vollständigen Haftung auch mit seinem Privatvermögen zeigt der Existenzgründer, dass er zu seiner Idee vollkommenes Vertrauen hat. Außerdem stehen den Banken größere Sicherheiten zur Verfügung. Das ist ein Grund dafür, dass die für den Unternehmer risikostärkste Rechtsform auch die bei Existenzgründern beliebteste ist.
  • Haftung vollständig gemeinsam: Tun sich mehrere natürliche Personen zusammen, um ein Unternehmen und damit eine juristische Person zu gründen, können sie ebenfalls alle mit ihrem Privatvermögen haften. Einige Rechtsformen, z. B. die OHG (Offene Handelsgesellschaft), sehen eine vollständige Haftung aller Gesellschafter des Unternehmens vor, auch mit ihrem jeweiligen Privatvermögen.

    Achtung:
    Die Haftung in Personengesellschaften beschränkt sich nicht auf Fehler, die der einzelne Gesellschafter gemacht hat. Jeder Gesellschafter haftet auch für die Fehler der anderen, gleichgültig, wer die Schuld trägt.

    Andere Personengesellschaften, z. B. die KG (Kommanditgesellschaft), lassen eine Trennung zwischen vollständig haftenden Gesellschaftern (Vollhaftern), die auch mit ihrem Privatvermögen haften, und teilweise haftenden Gesellschaftern (Teilhaftern), die nur mit ihrer Einlage in die Gesellschaft haften, zu.

  • Haftung eingeschränkt: Kapitalgesellschaften beschränken die Haftung der Unternehmer auf das ins Unternehmen eingebrachte Haftungskapital.

    Achtung:
    In Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder der AG wird die persönliche Haftung der Geschäftsführer und Vorstände immer wichtiger. Kann ihnen ein Fehlverhalten nachgewiesen werden (z. B. bei einer verspäteten Insolvenzanmeldung), haften sie für die dadurch entstandenen Schäden auch mit ihrem Privatvermögen. Das kann besonders Existenzgründer treffen, die gleichzeitig Gesellschafter und Geschäftsführer oder Aktionär und Vorstand sind.

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Der unternehmerische Einfluss

Der Existenzgründer will auf die Entwicklung seines Unternehmens Einfluss nehmen. Das wollen aber alle anderen an der Gründung beteiligten Personen (wie z. B. Partner und Geldgeber) auch. Regeln sorgen dafür, dass die Frage nach der Verantwortung und der möglichen Einflussnahme nicht jedes Mal neu geklärt werden muss. Auch diese Regeln sind an die Rechtsform gekoppelt.

  • Vollständiger Einfluss: Wenn der Gründer das neue Unternehmen alleine aufbaut und keine Partner (d. h. Mitgesellschafter) vorhanden sind, kann er die Geschicke des Unternehmens vollkommen alleine lenken. Er ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich.

    Achtung:
    Selbst wenn Geldgeber für Eigenkapital gesorgt haben, sie also keine typischen Fremdkapitalgeber wie z. B. Banken sind, und gleichzeitig auf alle Mitspracherechte verzichtet haben, gibt es immer Minderheitenrechte, die der Unternehmer berücksichtigen muss. Die geringste Form der Berücksichtigung besteht in der regelmäßigen Information über die Lage des Unternehmens, auf die selbst Stille Gesellschafter einen Anspruch haben.

  • Geteilter Einfluss: Sind mehrere Gesellschafter an dem Unternehmen beteiligt, wird auch der Einfluss geteilt. Es gibt Rechtsformen, die unabhängig von den Beteiligungsverhältnissen einen gleichberechtigten Einfluss bestimmen (z. B. GbR). Andere Gesellschaftsformen verteilen den Einfluss so, dass er den Anteilen am Unternehmen entspricht, oder lassen vertragliche Regelungen zu, in denen die Macht der einzelnen Gesellschafter individuell festgelegt werden kann.
    TipPartner werden in Existenzgründungen so gesucht, dass sie sich fachlich ergänzen. Die Stärke des einen kann die Technik sein, die Stärke des anderen die Unternehmensführung. Dann ist es sinnvoll, die Entscheidungsgewalt so zu verteilen, dass der geeignete Partner den richtigen Einfluss nehmen kann. Besondere Geschäfte (wie z. B. der Kauf und Verkauf von Grundstücken oder die Investition über eine bestimmte Summe) können dann gemeinsam entschieden werden. Vertragliche Regelungen dazu sind notwendig!
  • Kaum Einfluss: Kaum Einfluss haben Minderheitsgesellschafter, die oft nur ein Informationsrecht haben. In Gesellschafterversammlungen können aber Sperrminoritäten vorhanden sein, die dazu in der Lage sind, bestimmte Geschäfte zu blockieren. Stille Gesellschafter können keinen direkten Einfluss nehmen.

    Achtung:
    Wichtiger als der Einfluss von Stillen Gesellschaftern oder Minoritätsgesellschaftern sind die Versuche der Fremdkapitalgeber, in das Geschäft des Unternehmens einzugreifen. Banken verlangen für ihre Kredite eine erhebliche Menge an Informationen und werden für den Fall eines Problems auch mit Ratschlägen nicht gerade zurückhaltend sein. Ob sich ein Unternehmer Einflussnahmeversuchen der Banken verweigern kann, liegt an der individuellen Situation.

Die Kosten

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Bei der Gründung und im laufenden Geschäft fallen Kosten an, die von der Rechtsform abhängen. Maßgeblich ist nicht so sehr die Höhe der Kosten, sondern die Bürokratie, die sich dahinter verbirgt.

Beispiel:
Ein an der Aktienbörse notiertes Unternehmen muss hohen Ansprüchen an die Berichtspflichten genügen. Quartalsabschlüsse sind zu melden, Abweichungen von den veröffentlichten Plänen müssen in Ad-hoc-Meldungen bekannt gemacht werden. Das verursacht nicht nur Kosten, sondern auch besondere Organisationen, um die Ansprüche sicher und zuverlässig befriedigen zu können. Gerade junge Unternehmen sind durch solche und auch geringere Vorschriften stark belastet.

Je komplexer die rechtlichen Regeln sind, desto höher sind die Kosten. Je differenzierter die Regelungen zur Haftung und zum Einfluss sind, desto komplexer sind die Regeln. Wenn z. B. die Haftung in einer Rechtsform stark beschränkt ist, dann sind die Vorschriften zum Schutz der Gläubiger sehr hoch. Buchführungspflichten, Testate und Veröffentlichungen sind die Folge

  • Niedrige Komplexität, niedrige Kosten: Unternehmensformen mit hoher Haftung des Unternehmers und nur wenigen Regeln zur Einflussnahme sind wenig komplex. So entstehen Einzelunternehmen allein durch die geschäftliche Tätigkeit des Gründers, auch wenn die Gewerbeanmeldung noch aussteht oder die Erlaubnis noch fehlt. Auch Gesellschaften mit mehreren Partnern, aber unbeschränkter Haftung brauchen keine hohen Kosten für die Gründung und die laufende Berichter¬stattung zu fürchten.
  • Mittlere Komplexität, mittlere Kosten: Wird die Haftung beschränkt und der Einfluss gesetzlich oder vertraglich geregelt, entstehen Vorschriften, die z. B. eine Eintragung ins Handelsregister vorschreiben, eine notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrages und eine laufende Aufstellung von Bilanzen und anderen Regelwerken. Das alles verursacht Kosten, die die Gründung selbst verteuern und auch im laufenden Geschäft anfallen. Für kleine Unternehmen gibt es zum Teil Erleichterungen, die auch von Existenzgründern in Anspruch genommen werden können.
  • Hohe Komplexität, hohe Kosten: In Abhängigkeit von der Rechtsform und der Größe eines Unternehmens (z. B. AG, große GmbH) kommen noch jährliche Verpflichtungen für die Testate der Bilanz durch Wirtschaftsprüfer und Veröffentlichungspflichten hinzu. Auch das Abhalten von Hauptversammlungen (AG) oder Gesellschafterversammlungen (GmbH) ist gesetzlich geregelt.

Beispiel:
Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen. Für eine kleine GmbH gel¬ten vereinfachte Veröffentlichungsregeln, die nicht nur die Kosten senken, sondern auch den Informationsfluss bremsen. Jeder Interessierte (also auch Verhandlungspartner bei Tarifverhandlungen oder Preisvereinbarungen) kann sich Informationen über die wirtschaftliche Lage solcher Unternehmen verschaffen. Durch die Wahl einer Rechtsform aus dem Bereich der Personengesellschaften kann diese Veröffentlichungspflicht vollständig umgangen werden.

Bibliographie

existenzgründung

Reinhard Bleiber

Erfolgreiche Existenzgründung

1. Aufl. Planegg 2009.

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Dieser Artikel gibt rein die Meinung seines Autors wieder. existXchange.de hat den Inhalt dieses Artikels nicht überprüft und haftet somit nicht für dessen Inhalt.