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Gründungsstart: Welche Versicherungen Sie brauchen

Eine wichtige Aufgabe in der Gründungsphase, die vor der eigentlichen Eröffnung erledigt sein muss, ist die richtige Versicherung von Unternehmen und Unternehmer.
Reinhard Bleiber

Über den Autor

Reinhard Bleiber ist Diplom-Kaufmann und trägt in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Handelsunternehmens die kaufmännische Gesamtverantwortung.

 

Beschreibung stammt vom Haufe Verlag; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt.

Achtung:
Die Versicherung des Unternehmens wird in der Praxis oft vergessen. Dann entsteht kurz vor der Eröffnung, wenn der Gründer bereits zeitlich sehr belastet ist, ein hoher Zeitdruck, der zu falschen, überteuerten und fehlerhaften Versicherungen führt. Das muss durch eine frühzeitige Erledigung vermieden werden.

Das Unternehmen versichern

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Das Unternehmen und dessen Vermögensteile können Schaden erleiden, z. B. durch Diebstahl oder Feuer. Das kann bei fehlender Versicherung die Existenzgrundlage zerstören. Gleichzeitig kann das Unternehmen selbst einen Schaden verursachen, z. B. durch den Verkauf defekter Produkte, für deren Schäden es haften muss. Eine ausreichende Versicherung gegen diese Risiken ist notwendig.

Versicherung gegen Katastrophenschäden

Auch ein Unternehmen ist nicht gegen Feuer-, Wasser- oder Sturmschäden gefeit. Diese Katastrophen sind nicht vorhersehbar. Eine entsprechende Versicherung kann aber die Schäden durch solche Katastrophen ersetzen.

Einbruchdiebstahlversicherung

Auch Unternehmen werden von Dieben heimgesucht, die auf der Suche nach Bargeld oder leicht verkäuflichen Wertgegenständen oft mehr Zerstörung anrichten als die gestohlenen Dinge Wert sind. Die Einbruchdiebstahlversicherung ersetzt solche Schäden.

TipImmer wieder werden aus den Unternehmensräumen IT-Geräte gestohlen und damit oft wertvolle Datenbestände. Sprechen Sie dies mit Ihrem Versicherer ab, damit auch der Verlust der Daten im Schadensfall bezahlt wird. Um das Geschäft nicht zu gefährden, sollten Sie wichtige Datenbestände immer in einer Sicherungskopie außerhalb der Geschäftsräume, z. B. im Banktresor, aufbewahren.

Elektronikversicherung

Die Datenverarbeitung mit Hardware, Software und Daten wird immer wichtiger. Gleichzeitig steigt die Gefährdung z. B. durch Computerviren. Die Elektronikversicherung ersetzt die Kosten, die zur Wiederherstellung der EDV-Unterstützung nach einem Schaden im IT-System aufgewendet werden müssen.

Maschinenversicherung

Wer teure Fertigungsmaschinen einsetzt, sollte diese gegen Schäden durch Fehlbedienung und Unachtsamkeit versichern.

Betriebs-Unterbrechungsversicherung (BU-Versicherung)

Die bisher beschriebenen Versicherungen decken die direkten Schäden aus den dazugehörigen Risiken ab. Sollte das zu einem Produktionsausfall führen, weil z. B. das Feuer die Fertigungshallen zerstört hat, werden die trotzdem anfallenden Kosten wie Löhne, Mieten usw. durch die BU-Versicherung abgedeckt.

Achtung:
Eine BU-Versicherung ist nicht nur teuer, der Versicherer verlangt auch komplexe Angaben und Meldungen bei Abschluss der Versicherung und im laufenden Geschäft. Diese Kosten müssen in die Risikobetrachtung einfließen, bevor eine BU-Versicherung abgeschlossen wird.

Haftpflichtversicherungen

Das Unternehmen muss für Schäden, die durch seine Handlung entstanden sind, haften. Für allgemeine Schadensfälle, z. B. der Sturz eines Kunden im Einzelhandelsgeschäft aufgrund eines nassen Bodens, kommt die Betriebshaftpflichtversicherung auf. Für Freiberufler, die aufgrund eines Berufsfehlers einen Schaden ausgleichen müssen (z. B. Beratungsfehler eines Steuerberaters), gibt es die Berufs-Haftpflicht¬versicherung.

Für Firmenfahrzeuge muss selbstverständlich eine Kfz-Haftpflicht¬versicherung abgeschlossen werden. Für Verunreinigungen von Boden, Wasser und Luft kommt die Umwelthaftpflichtversicherung auf. Für Produktionsunternehmen und Importeure ist die Produkthaftpflichtversicherung notwendig, die für Schäden Dritter haftet, die durch fehlerhafte Produkte entstehen.

Achtung:
Die Berufs-Haftpflichtversicherungen für einige Berufsbilder (z. B. Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte) ist gesetzlich vorgeschrieben, die Kfz-Haftpflichtversicherung auch. Obwohl die anderen Haftpflichtversicherungen rechtlich nicht zwingend sind, verstößt ein Unternehmer gegen seine existenziellen Pflichten, für die Sicherheit seines Unternehmens zu sorgen, wenn er eine solche Versicherung nicht abschließt

Vertrauensschadenversicherung

Die Vertrauensschadenversicherung ersetzt Schäden, die durch Betrug, Unterschlagung oder ähnliche Delikte entstehen, auch wenn der Täter ein Mitarbeiter ist.

Vermögensschadenversicherung für Betriebsleiter

Diese Versicherung ersetzt Schäden, die durch ein Fehlverhalten eines GmbH-Geschäftsführers oder AG-Vorstandes entstanden sind und für die dieser persönlich haftet.

Achtung:
Diese betriebliche Versicherung, die Vermögensschadenversicherung, schützt den betroffenen Personenkreis vor der persönlichen Haftung. Gleichzeitig wird sicher gestellt, dass das Unternehmen den Schaden auch erstattet bekommt. Persönliche Haftung greift nur soweit, wie Vermögen vorhanden ist. Eine solche Versicherung wird immer öfter vorausgesetzt, wenn gute Geschäftsführer oder Vorstände für das Unternehmen gewonnen werden sollen.

Betriebsrechtsschutzversicherung

Vor allem für kleine Unternehmen ist eine Betriebsrechtsschutzversicherung sinnvoll, um auch die finanzielle Rückendeckung für komplexe Rechtsstreitigkeiten zu haben.

TipSie können bei Versicherungen durch zwei Maßnahmen erhebliche Kosten sparen:
  1. Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer Vorsorgemaßnahmen ab, um die Prämie zu senken (z. B. Feuermeldeanlagen, Datensicherung).
  2. Prüfen Sie, wie viel Prämie Sie bei einer Selbstbeteiligung sparen können (z. B. 300 € pro Rechtsschutzfall).

Unternehmer absichern

Ebenso wichtig wie die Absicherung des Unternehmens ist die des Existenzgründers. Als Unternehmer ist er nicht mehr durch das soziale Netz eines Arbeitnehmers geschützt. Diese Sicherung muss er selbst übernehmen. Selbstverständlich bleiben die üblichen privaten Versicherungen wie die Haftpflichtversicherung, die Rechtsschutz- und die Hausratversicherung. Besondere Beachtung verdienen die Sozialversicherungen.

TipVersicherer schließen oft die privaten Risiken der Haftpflicht und des Rechtsschutzes in die meist wesentlich größeren Risiken des Unternehmens kostenlos ein. Dadurch kann der Unternehmer Versicherungsgebühren im privaten Bereich sparen.

Die Krankenversicherung

Sehr wichtig für die private Situation des Existenzgründers ist die Krankenversicherung. Solange er als Angestellter ein Ge¬halt bezieht, und dieses unter der Bemessungsgrenze liegt, ist er pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sobald er nur noch selbstständig tätig ist, entfällt diese.

TipDie gesetzlichen Krankenkassen haben eine dreimonatige Nachversicherungspflicht. Damit können Sie auch in der Gründungsphase, in der Sie kein Einkommen erzielen, deren Leistungen in Anspruch nehmen. Erkundigen Sie sich aber unbedingt vorher bei Ihrer zuständigen Krankenkasse.

Wer vor der Selbstständigkeit in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert war, kann auch als Selbstständiger in der Kasse freiwillig versichert bleiben. Alternativ dazu gibt es die Möglichkeit, sich bei einer privaten Krankenkasse zu versichern. Dieser Schritt muss aber gut überlegt sein, weil der Weg zurück mit wenigen Ausnahmen nicht möglich ist.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Versicherung gegen eine Berufsunfähigkeit trifft nicht nur die Existenzgründer, sondern alle Bundesbürger, da der Staat seine Unterstützung eingestellt hat. Ein Unternehmer sollte diese Versicherung besonders intensiv prüfen, da ihn eine Erkrankung oder ein Unfall mit der Folge einer Berufsunfähigkeit besonders hart treffen würde.

Die Lebensversicherung

Der Existenzgründer wird seine Familie für den Fall seines Todes absichern wollen. Die Praxis zeigt, dass in der Gründung oft hohe finanzielle Risiken vorhanden sind, die auf die Familie zurückfallen, wenn der Unternehmer plötzlich nicht mehr da ist. Darum ist eine Risikolebensversicherung zu empfehlen, bis das Unternehmensvermögen so groß ist, dass aus einem plötzlichen Tod des Unternehmers keine Risiken mehr für die Familie selbst entstehen.

TipEine Kapitallebensversicherung ist nicht zu empfehlen, wie alle Finanzexperten derzeit aussagen. Das Geld dafür kann besser ins eigene Unternehmen oder in eine private Altersvorsorge investiert werden.

Die Altersvorsorge

Ein wichtiges Kapitel in der Absicherung des Unternehmers ist die Altersvorsorge. Mit der Selbstständigkeit verliert der Unternehmer auch den Einschluss in die gesetzliche Rentenversicherung. Diese bietet zwar auch für den Angestellten heute keine Rundum-Sicherheit mehr, der Unternehmer muss aber noch viel mehr selbst tun, um im Alter angemessen leben zu können.

TipMit der Selbstständigkeit verlieren Sie nicht bereits erworbene Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung. Prüfen Sie jedoch, ob Sie die Mindestzeiten bereits erfüllt haben. Falls nicht und falls nur noch wenige Monate fehlen, lohnt es sich, die bereits eingezahlten Beiträge zu retten und durch freiwillige Beiträge zu ergänzen, um die Mindestanforderungen zu erfüllen.

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Für einige Selbstständige wie Handwerker, Hebammen, Künstler usw. gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Rentenversicherung. Das kann die gesetzlichen Rentenversicherung sein oder eine eigene Rentenkasse (z. B. Künstlersozialkasse). Andere Berufsgruppen wie Ärzte, Steuerberater und Rechtsanwälte werden über die berufsständischen Versorgungswerke abgesichert. Die Beiträge dazu sind in die Finanzplanung einzubeziehen.

Für viele Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind, ist das aufgebaute Unternehmen ein wichtiger Teil der Altersvorsorge, der leider im Wert oft überschätzt wird. Niemand kann vorhersagen, welchen Wert das Unternehmen hat, wenn der Unternehmer sich zur Ruhe setzen will. Oft finden sich keine Käufer und der Wert ist fast Null. Darum muss ein Unternehmer sich immer eine unabhängige Altersversorgung aufbauen.

Übrig bleiben zur vollständigen oder teilweisen Absicherung der Altersvorsorge die üblichen privaten Geldanlagen. Das Fondsparen, der Kauf von Mietshäusern oder die Rürup-Rentenverträge sind einige von vielen individuelle Möglichkeiten. Welche zum Unternehmer passt, klärt sich in einem Gespräch mit einem unabhängigen Finanzberater.

Achtung:
Während der Gründungsphase sind die finanziellen Mittel in der Regel sehr knapp. Darum wird an allem gespart, was nicht unbedingt notwendig ist. Dazu gehört leider viel zu oft die Altersvorsorge. Diese muss so schnell wie möglich nachgeholt werden, damit die frühen Beiträge zur Altersvorsorge die Belastung in späteren Jahren reduzieren können.

Bibliographie

existenzgründung

Reinhard Bleiber

Erfolgreiche Existenzgründung

1. Aufl. Planegg 2009.

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