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Die GmbH im Überblick

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung, kurz GmbH, erfreut sich unter anderem wegen der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen und dem seit 2002 geltenden moderaten Körperschaftsteuersatz von 25% großer Beliebtheit als Unternehmensform. Es existieren heute weit über 1 Million GmbH’s in der BRD. Vor allem nach der Wiedervereinigung hat in den neuen Bundesländern ein Boom von GmbH-Neugründungen eingesetzt. Ein weiterer Schub von GmbH-Gründungen, vor allem durch Umwandlung einer bestehenden Personenhandelsgesellschaft (OHG, KG, GmbH & Co.KG) in eine GmbH, ist ab 2002 erfolgt. Dieser Artikel erklärt wichtige Begriffe zur GmbH.

GmbH-Überblick

Organe der GmbH 

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Die GmbH ist eine aus einer oder mehreren Personen bestehende Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit. Somit ist sie eine juristische Person des Privatrechts. Diese Rechtskonstruktion ist nicht selbst handlungsfähig, sondern nur durch ihre Organe:

  • Geschäftsführer (es können auch mehrere bestellt sein), der eine natürliche Person sein muß, aber kein Gesellschafter sein muß (Fremd-geschäftsführer). Er vertritt die GmbH nach außen und leitet ihren Geschäftsbetrieb.
  • Gesellschafterversammlung, in welcher die Gesellschafter organisiert sind. Diese kontrolliert die Geschäftsführung und ist gegenüber dem/den Geschäftsführer(n) weisungsberechtigt.

Haftung bei der GmbH

Für ihre Verbindlichkeiten haftet die GmbH nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen; ihre Gesellschafter haften grundsätzlich nicht persönlich.

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GmbH-Stammeinlagen

Der oder die Gesellschafter sind mit Einlagen auf das in Stammeinlagen (mindestens 100 €) zerlegte Stammkapital (mindestens 25.000 €) beteiligt. Jeder Gründer kann nur eine Stammeinlage übernehmen.

Handelsregistereintrag

Der Gesellschaftsvertrag der GmbH muß stets notariell beurkundet werden. Damit ist erst eine Vor-GmbH entstanden. Erst mit der Eintragung der GmbH in das Handelsregister ist sie als juristische Person entstanden.

Besteuerung einer GmbH

Seit 2002 muß die GmbH auf ihre Gewinne nur Körperschaftsteuer (das ist die Einkommensteuer der Kapitalgesellschaften) in Höhe von 25% (vorher 42%) bezahlen. Gesellschafter einer Personenhandelsgesellschaft unterliegen dagegen mit ihren Gewinnanteilen der progressiv ansteigenden Einkommensteuer.

Die GmbH gilt handelsrechtlich als Formkaufmann

Ganz gleich, welchen Gesellschaftszweck die GmbH hat, nach dem Handelsgesetzbuch gilt jede GmbH, auch wenn sie kein Handelsgeschäft betreibt, als Kaufmann (Formkaufmann) und unterliegt in vollem Umfange dessen Vorschriften. Deshalb ist sie u.a. ausnahmslos auch zur Führung von Handelsbüchern und Erstellung von Bilanzen verpflichtet.

Verwendungsmöglichkeiten einer GmbH

Am häufigsten ist der in der Rechtsform einer GmbH geführte Gewerbebetrieb, der nun auch von einer Einzelperson in der Rechtsform einer Einpersonen-GmbH betrieben werden kann. Auch den meisten freien Berufen steht nunmehr die GmbH als Unternehmensform offen.

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Ferner gibt es die gemeinnützige GmbH sowie die GmbH, deren Unternehmenszweck sich auf die Verwaltung ihres Gesellschaftsvermögens (z.B. Grundstücke, Gesellschaftsbeteiligungen) beschränkt. Und dann gibt es noch in großer Anzahl jene GmbH’s, deren ausschließlicher Gesellschaftszweck es ist, als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) die Geschäftsführung und Vertretung (durch den Geschäftsführer der GmbH) einer Kommanditgesellschaft zu übernehmen (, das ist die weit verbrei-tete GmbH & Co. KG). 

Wichtige Grundbegriffe zur GmbH

Stammeinlage und Geschäftsanteil

Diese Begriffe dürfen nicht miteinander verwechselt werden

  • Die Stammeinlage benennt die Einzahlungsverspflichtung der Gesellschafter. Sie ist auch Ausgangspunkt für das Gewicht der Stimme des Gesellschafters in der Gesellschafterversammlung.
  • Mit Geschäftsanteil bezeichnet man das vom Gesellschafter erworbene gesellschaftsrechtliche Mitgliedschaftsrecht. Bei einem Wechsel der Gesellschafter wird stets der Geschäftsanteil abgetreten. Es heißt dann in der Notarurkunde, der Gesellschafter A überträgt an den Erwerber B „einen Geschäftsanteil im Nennbetrag von 30.000 €“, wenn die Stammeinlage des abtretenden Gesellschafters A 30.000 € beträgt.

Nur im Zeitpunkt der Errichtung der GmbH decken sich die Werte (Beträge) der Stammeinlage und des Geschäftsanteils. Wirtschaftet die GmbH mit Erfolg, steigt der Verkehrswert des Geschäftsanteils, fährt sie Verluste ein, dann sinkt der Verkehrswert des Geschäftsanteils. Der Wert (Betrag) der Stammeinlage bleibt hingegen stets unverändert.

Gesellschafter-Geschäftsführer und Fremdgeschäftsführer

Wird ein Gesellschafter zum Geschäftsführer der GmbH bestellt, so spricht man von einem Gesellschafter-Geschäftsführer. Wird dagegen ein Nichtgesellschafter zum Geschäftsführer bestellt, so nennt man ihn Fremdgeschäftsführer.

Bargründung und Sachgründung

Ist die Stammeinlage in Geld zu leisten, ist es eine Bargründung. Der Gesellschaftsvertrag kann es aber auch zulassen, daß ein Gesellschafter anstelle von Geld Sachgüter (z.B. ein Einzelunternehmen, einen LKW) unter Anrechnung der von ihm übernommenen Stammeinlage in die GmbH einbringt. Bargründung und Sachgründung können miteinander kombiniert werden.

Gesellschaftsvertrag oder Satzung

Beide Begriffe werden in der Rechtspraxis als gleichbedeutend behandelt:

  1. Einigung der Gründer über die Errichtung einer GmbH (Gesellschaftsvertrag im eigentlichen Sinn)
  2. Die Verfassung der GmbH (Satzung im eigentlichen Sinn).

Beide bedürfen zu ihrer Rechtswirksamkeit ausnahmslos der notariellen Beurkundung. In der Rechtspraxis spricht man jedoch meistens vereinfachend von Gesellschaftsvertrag.

Vorratsgründung und Mantelgründung

Eine Vorratsgründung liegt vor, wenn Anwälte oder Steuerberater eine GmbH gründen, nicht um mit ihr geschäftlich tätig zu werden, sondern um sie „in die Schublade“ zu legen. Wenn dann ein Mandant dringlich eine GmbH braucht, verkauft man ihm den oder die Geschäftsanteile. Der Mandant kann dann sofort mit der GmbH „arbeiten“.

Von einer Mantelgründung spricht man, wenn eine GmbH bereits „in Betrieb“ war und nicht mehr gebraucht wird, aber dennoch noch im Handelssregister eingetragen ist. Der „Gründer“ kauft ihre Geschäftsanteile, beruft ihren Geschäftsführer ab und bestellt einen neuen Geschäftsführer, erforderlichenfalls ändert er auch die Firma der GmbH, wozu jedoch die Satzung der GmbH geändert werden muß.

GmbH – GmbH & Co.KG

Die GmbH betreibt als Kapitalgesellschaft selbst das Unternehmen. Die GmbH & Co.KG ist dagegen eine Kommanditgesellschaft, also eine Personengesellschaft. Der persönlich haftende Gesellschafter (Komplementär) ist jedoch keine natürlich Person, sondern eine GmbH, vertreten durch ihren Geschäftsführer. Dieser Geschäftsführer hat eine Doppelfunktion: Er vertritt die GmbH und zugleich die KG.

Da bei der GmbH & Co.KG der persönlich haftende Gesellschafter eine GmbH ist, gelten viele Vorschriften des GmbH-Gesetzes über den Gläubigerschutz auch für die GmbH & Co.KG (z.B. Insolvenzgrund ist auch die Überschuldung). 

Verdeckte Gewinnausschüttung

Dieser Begriff aus dem Körperschaftsteuergesetz ist der Alptraum aller Gesellschafter und GmbH-Geschäftsführer.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn eine GmbH aus ihrem Vermögen einem Gesellschafter (oder nahen Angehörigen von ihm) Vorteile gewährt, ohne daß eine förmliche Gewinnausschüttung vorliegt und welche ihren Rechtsgrund im Gesellschaftsverhältnis haben. Sie führt steuerlich dazu, daß

  1. die dadurch bewirkte Vermögensminderung bei der GmbH nicht als gewinnmindernd anerkannt wird und
  2. der Gesellschafter den erlangten Vermögensvorteil als Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuern muß.

Beispiel: Eine Pensionszusage an einen Gesellschafter-Geschäftsführer kann eine verdeckte Gewinnausschüttung sein, wenn sie einem Fremdgeschäftsführer nicht oder nicht in dieser Höhe gewährt worden wäre.

Personengesellschaft – Kapitalgesellschaft

Personengesellschaften sind Zusammenschlüsse von mindestens
2 Personen
, welche sich unternehmerisch betätigen wollen und das dazu erforderliche Kapital selbst aufbringen. Dazu zählen z.B. OHG, Kommanditgesellschaft (einschl. GmbH & Co.KG) und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).

Eine Kapitalgesellschaft ist eine Unternehmensform, bei der sich die Gesellschafter selbst nicht unternehmerisch betätigen wollen, sondern dies einer juristischen Person überlassen, die sie jedoch mit dem dafür erforderlichen Kapital ausstatten. Dies sind: GmbH, Aktiengesellschaft und die wenig verbreitete Kommanditgesellschaft auf Aktien.

Hintergrund und Geschichte  

Im Gegensatz zur Aktiengesellschaft (AG), die eine jahrhundertealte Tradition hat (dasselbe gilt für die OHG und die KG), ist die „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) eine Neuschöpfung des Gesetzgebers aus dem Jahre 1892. Vorausgegangen war eine Reform der Aktiengesellschaft im Jahre 1884, welche durch schwerwiegende Missstände veranlasst worden ist. Das Aktienrecht wurde durch diese Reform so umgestaltet, daß die Aktiengesellschaft hinsichtlich Gründung und Verwaltung zu einer teuren und komplizierten Gesellschaftsform mit hohem Kapitalbedarf geworden ist. Sie wurde dadurch die bevorzugte Gesellschaftsform von Großunternehmen, welche einen hohen Kapitalbedarf und dadurch bedingt große Mitgliederzahlen hatte. 

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Für kleine und mittlere Unternehmen und für Beteiligung einer geringen Zahl von Mitgliedern standen vor 1892 nur die Personenhandelsgesellschaften - OHG und KG - zur Verfügung. Schon zur damaligen Zeit war es, wie auch heute noch, nicht selten, daß keiner der Gesellschafter die unbeschränkte Haftung für Geschäftsschulden der Gesellschaft übernehmen wollte. 

Um nun die Lücke zwischen AG und Personenhandelsgesellschaft zu schließen, hat der Gesetzgeber 1892 neben der AG eine zweite Form der Kapitalgesellschaft geschaffen, ebenfalls mit eigener Rechtspersönlichkeit und dadurch weitgehend ausgeschlossener Haftung der Gesellschafter, jedoch mit geringeren Anforderungen bei Gründung, niedrigerem Mindestkapital und einfacherer, zudem vertraglich abwandelbarer innerer Struktur – die GmbH. 

Die GmbH hat sich im Deutschen Reich schnell in der Praxis durchgesetzt, ihr Konzept breitete sich in der ganzen Welt aus: Oesterreich (1906), Portugal (1917), Brasilien (1919), Slowakei (1920), Chile (1923), Frankreich (1925), Belgien (1935) und weitere Staaten. 

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Allerdings haben verschiedene Missstände und Missbräuche bei Verwendung der GmbH als Unternehmensform und der dadurch verursachten Schädigung ihrer Gläubiger, besonders in den ersten Jahrzehnten, auch dazu geführt, daß ihr Ansehen in der Öffentlichkeit nicht sonderlich hoch war. Das Kürzel GmbH wurde im Volksmund übersetzt mit: „Gehste mit, biste hin“ oder auch „Gesellschaft mit beschränkter Hochachtung". 

Der Gesetzgeber hat versucht, solchen Missbräuchen durch Verschärfung des Gläubigerschutzes entgegen zu wirken. Die letzte GmbH-Reform war 1980. Darin wurde das Mindesthaftkapital der GmbH von 20.000 DM auf 50.000 DM (heute 25.000 €) erhöht und weitere Vorschriften über die Kapitalaufbringung und –erhaltung in das GmbH-Gesetz eingefügt. Außerdem hat es der Gesetzgeber ausdrücklich zugelassen, daß die GmbH auch nur von einer Person errichtet werden kann, man sprich dann von einer Einpersonen-GmbH oder Einmann-GmbH.

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