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Auswirkungen des Sozialversicherungsrechts auf die Franchisebranche 2011

Das Jahr 2011 wird die Franchisebranche wieder vor neuen Herausforderungen im Umgang mit der Altersvorsorge für Franchise-Nehmer stellen. Für diejenigen, die sich den spezifischen sozialversicherungsrechtlichen Implikationen rechtzeitig stellen, sind äußerst ergiebige win-win-Ergebnisse erzielbar. Aus lästigen Vorgaben könnten so positive Vorteile generiert werden.
Oliver Timmermann

Über den Autor

Oliver Timmermann ist Volljurist und seit 2009 Assessor bei der DEBEKA mit den Schwerpunkten Altersvorsorge und betriebliche Altersvorsorge. Zuvor war er seit 1998 als Rechtsanwalt für Strafrecht und Zivilrecht in München und Haburg tätig. Sein 1. Juristisches Staatsexamen absolvierte er 1995 in Kiel vor seinem 2. Juristischen Staatsexamen in Berlin.

Weitere Veröffentlichungen von Oliver Timmermann  sind "Stalking - einem Delikt auf der Spur" in StraFO 2007, S. 356 ff. und "Anmerkungen zu BSG Urteil 04.11.2009" in Betriebsberater 2010, S. 2366 und BetrAV 2010,S. 84 f.

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Beschreibung stammt vom Autor; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt.

Die Entscheidung des BSG vom 04.11.2009 (s. Fußnote 1), wonach sog. Einzel-Franchise-Nehmer ohne sozialversicherungspflichtige Angestellte unter die Rentenversicherungspflicht fallen, kann nicht isoliert betrachtet werden. Bereits mit seiner Entscheidung vom 24.11.2005 (s. Fußnote 2) sorgte das BSG für Furore, indem es auch selbständige Gesellschafter-Geschäfts-Führer einer Kapitalgesellschaft der Rentenversicherungpflicht unterstellten wollte.

Seinerzeit bewahrten (vorerst) noch eilige Presseerklärungen der Deutschen Rentenversicherung Bund und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (s. Fußnote 3) vor dem Dammbruch kräftiger Nachforderungsbescheide. Fest steht jedoch, dass hier eine Rechtsprechung „im Fluss“ ist, die immer weiter versuchen wird, auch größere Franchise-Systeme mit einzubeziehen.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich eine kritische Analyse (1.) des bisherigen Umganges dieses Aspektes in den üblichen Vertragsentwürfen, um so den Blick zu schärfen und die handfesten Vorteile (2.) dieser Entwicklung zu erkennen. Im Rahmen dieser kurzen Übersicht nur soviel:

1. Vorvertragliche Aufklärungspflicht meets BilMoG

Integraler Bestandteil jedes funktionierenden Franchise-Systems ist für den Franchise-Geber die „wasserdichte“ vorvertragliche Aufklärung jedes Interessenten. Anders als im anglo-amerk. Rechtssystem mit seinem starren Informationssystem des disclosure requirements, unterliegt die vorvertragliche Aufklärungspflicht in Deutschland der Auslegung.

Die Grundlage der Informationspflicht ist jeweils anhand des konkret in Aussicht genommenen Vertrags mittels der nach dem Vertrauensprinzip abzugrenzenden Risikosphären zu ermitteln (s. Fußnote 4). Danach muss der Franchise-Geber mit seinem Wissensvorsprung bzgl. der Funktionsweisen des Franchise-Systems wie der Brancheneinzelheiten den jeweiligen Interessenten zumindest über die Tatsachen aufklären, die für dessen Entscheidung erkennbar von Bedeutung sind/sein müssen (s. Fußnote 5).

Sowohl nach den Richtlinien des DFV als auch nach der gängigen Praxis hat aber jedenfalls auch im deutschen Rechtssystem der Franchise-Geber stets über die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen vor Vertragsabschluss zu informieren (s. Fußnote 6). Diese gehören zum obligaten Kernbestand der vorvertraglichen Aufklärungspflicht (s. Fußnote 7).

Haftungsbewehrt sind inhaltlich damit Angaben gegenüber dem Interessenten, die diesem mindestens Aussagen über Einnahmen/Ausgaben und Investitionen an die Hand geben, wobei nähere Differenzierungen im Hinblick auf die unterschiedlichen Geschäftsphasen erforderlich sind (s. Fußnote 8).

Bereits nach diesen allgemeinen Grundsätzen wird ersichtlich, dass die Anforderungen an die Franchise-Geber nach der Schaffung des BilMoG (s. Fußnote 9) modifiziert werden müssen.

Denn mit dem BilMoG verfolgt der Gesetzgeber insbesondere das Ziel, die handelsrechtlichen Vorschriften zu modernisieren und das HGB als eine vollwertige, aber kostengünstigere Alternative zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu etablieren (s. Fußnote 10). Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen – wie die Vielzahl der Franchise-Systeme – sollen durch das Gesetz eine Deregulierung und eine Kostensenkung erfahren.

Nimmt man hinzu, dass die unmittelbaren Versorgungszusagen (wie diese die Franchise-Nehmer gegenüber Ihren Angestellten nach dem BetriebsrentenG treffen müssten!) gem. § 246 Abs. 2 und § 253 Abs. 1 und 2 HGB n.F. bis zu 20% der Bilanzsumme ausmachen können (s. Fußnote 11), eine Beschränkung auf Verpflichtungen gegenüber Arbeitnehmern im arbeitsrechtlichen Sinne nicht vorgesehen ist (s. Fußnote 12) und die neugeschaffene Saldierungspflicht unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Bilanzverkürzung, d.h. zu einem verbesserten Rating führen kann (s. Fußnote 13), erhellt sofort die herausgehobene Stellung dieses Themas auch für die vorvertragliche Aufklärung.

2. Vorteile

Für den Franchise-Geber ergeben sich somit folgende Konstellationen, in denen das Thema „Altersvorsorge“ eine stärkere Berücksichtigung bei den Vertragsverhandlungen finden sollte:

  1. Der Franchise-Nehmer unterfällt (als „stand-alone“ Franchise-Nehmer oder als Gesell- schafter-Geschäftsführer) selbst dem Anwendungsbereich des Betriebsrentengesetzes:
    Hier treffen für den Franchise-Geber die allgemeine vorvertragliche Aufklärungs- und die besondere Hinweispflicht nach dem BetrAVG zusammen. Gleichzeitig kann dieser selbst an den Vorteilen partizipieren, die durch das BilMoG geschaffen worden sind.
  2. Der Franchise-Nehmer beschäftigt eine Vielzahl von Angestellten, die über der Geringfügigkeitsgrenze verdienen:
    Hier müssen die Vorteile einer geschickten Bilanzpolitik, wie diese durch das BilMoG eröffnet worden sind, Bestandteil der obligaten vorvertraglichen Hinweispflicht sein. Es darf nicht verkannt werden, dass gerade in der Finanzkrise das Vertrauen in die Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge gestärkt wurde und de lege ferrenda sogar ein weiterer Ausbau dieser kapitalgedeckten Vorsorge vorgesehen ist (s. Fußnote 14). Die Einsparungen, die der Franchise-Nehmer in seinem Betrieb hier z.B. im Bereich der Lohnnebenkosten oder Betriebsausgaben erzielen könnte, sind auch immer Pluspunkte für den Franchise-Geber in den vorgelagerten Vertragsverhandlungen.
  3. Ist der Franchise-Nehmer nicht als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger bAV-fähig, so empfiehlt sich für den Franchise-Geber trotzdem - unter dem Gesichtspunkt der gesteigerten Aufklärungspflicht einer wissensüberlegenen Partei (s. Fußnote 15) -, in dem Vertragsentwurf eine Empfehlung für eine rechtzeitige, steuergeförderte Basisrente auszusprechen, diesen Passus mit aufzunehmen.

 

Fußnoten:
1) Az.: B 12 R 3/08 R, BetrAV 2010, S. 596 mit Anmerk. vom Verfasser.
2) Az.: B 12 RA 1/04; BetrAV 2006, 285 f. mit Anmerk. Lange S. 258 f.
3) BetrAV 2006, S. 289, 290 und den mit heißer Nadel eingefügten Art. 11 Nr. 1a HaushaltsbegleitG 2006.
4) Vgl. bereits RGZ 62, 149, 150 ff. ; bestätigt BGHZ 96, 302, 311 f.
5) OLG München Urt. 24.04.2001 – 5 U 2180/00 (Aufina) in BB 2001, 1759 f. mit Anmerk. Böhner S. 1749 ff.
6) OLG Köln Beschl. v. 16.05.1994 – Az.: 2 W 14/94
7) Schäfer „Pflicht des Franchise-Gebers zur vorvertraglichen Aufklärung“ 2006, S. 258 f.
8) Schäfer a.a.O. S. 183, 196.
9) abwechselnd als „großer Wurf“ (Müller in BetrAV 2009, S. 301) oder „bedeutenste Umbruchphase“ (Zülich/ Hoffmann/Salewski in BetrAV 2010, S. 328) bezeichnet.
10) Melcher/ Scheier in DB Beilage 5 2009, S. 4.
11) Höfer in BetrAV 2009, 591 f.
12) Hasenburg/ Hausen in DB Beilage 5 2009, S. 42 m.w.N.
13) Zülch/ Hoffmann/ Salewski a.a.O. S. 330; auf Einzelheiten der materiellen Bilanzstrategie u.a. bei der Bewertung der Rückstellungen muss aus Platzgründen hier verzichtet werden, vgl. z.B. Weinheim/ Kunath in DB 2010, S. 2345 ff. m.w.N.
14) Stichwort: Ausbau des Dotierungsrahmens nach § 3 Nr. 63 EStG, vgl. Hessling in BetrAV 2009, 596 f.
15) Rehm „Aufklärungspflichten im Vertragsrecht“ 2003, S. 230 ff.

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