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Eigenkapitalfinanzierung: Venture Capital, Business Angels und Eigenkapitalförderung

Eigenkapital wird von den Eigentümern eines Unternehmens eingebracht. Es kann auch durch einen Gewinn aus früheren Jahren, der im Unternehmen belassen wird, entstehen. Eigenkapital muss nicht immer vom Existenzgründer selbst kommen. Eigenkapital kann auch durch einen Geschäftspartner, einen Teilhaber, Business Angel oder einer Beteiligungsgesellschaft ins Unternehmen fließen.

Anmerkung: Dieser Artikel ist Teil einer Reihe Grundwissen zu Finanzierung über grundlegende Fragen zur Finanzierung Ihrer Existenzgründung.

Grundlage einer jeden Existenzgründungsfinanzierung wird zunächst Eigenkapital sein. Zwar ist es nicht zwingend notwendig und sinnvoll, dass die gesamte Finanzierung durch Eigenkapital abgedeckt wird, jedoch bietet Eigenkapital folgende Vorteile:

  • Für Eigenkapital sind keine Zinsen zu zahlen.
  • Ein hoher Eigenkapitalanteil wirkt sich positiv auf die Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit der Existenzgründung aus. In Zeiten von Liquiditätsengpässen kann kurzfristig Fremdkapital gewährt werden.
  • Bei einem hohem Eigenkapitalanteil und geringem Fremdkapitalanteil müssen nur bedingt Sicherheiten nachgewiesen werden. Dies vereinfacht und verkürzt die Verhandlungen und Gespräche mit den Kreditinstituten erheblich.

Welche Möglichkeiten der Eigenkapitalgenerierung bestehen, werden im Folgenden dargestellt.

Finanzierung durch Verwandte und Freunde

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Vielleicht gibt es auch in Ihrem Umfeld Verwandte und Freunde (oft ironisch sogenannte friends and fools), die Geld in Ihre Existenzgründung einlegen können. Dies kann durch unterschiedliche Formen wie Darlehen, Nachrangdarlehen, stille Beteiligung oder offene Beteiligung geschehen. Für Verwandtendarlehen gibt es Spezialregelungen, damit dieses Geld wie Eigenkapital behandelt werden kann. Ob Verwandte und Freunde auch die wirklich die besten Geldgeber sind, liegt im Ermessen eines jeden Existenzgründers.

Eigenkapitalförderung

Auch die Bundesregierung kennt die hohe Bedeutung des Eigenkapitals. Damit Existenzgründer/innen ihren Kreditwunsch leichter erfüllt bekommen, bietet sie ihnen bei einem tragfähigen Konzept die Möglichkeit, mit dem ERP-Eigenkapitalhilfe-Programm (EKH) "haftende Eigenmittel" zu bilden. Zusätzlich zu den ERP-Förderprogrammen gibt es z.B. auch das Existenzgründungsprogramm der Deutschen Ausgleichsbank (Internet: http://www.dta.de/). Es handelt sich dabei vor allem um Kredite mit langen Laufzeiten, niedrigen Zinssätzen und mehreren tilgungsfreien Jahren. In den neuen Bundesländern können z.B. aus dem Beteiligungsfonds-Ost zusätzliche Mittel zur Eigenkapitalhilfe mobilisiert werden.

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Venture Capital

Um tragfähige innovative Ideen zu realisieren ist oft mehr Kapital notwendig als mit eigenen Geldmittel oder durch bankübliche Sicherheiten abzudecken ist. Abhilfe kann Risikokapital, auch Venture-Capital genannt, schaffen.

Mit Venture-Capital können junge Technologieunternehmen, beispielsweise aus den Bereichen Software oder Biotech, Entwicklungsaufwendungen und Vermarktungskosten finanzieren, die nach banküblichen Kriterien mit Fremdkapital nicht oder nur schwer finanzierbar wären. Beteiligungskapital kann z.B. in Anspruch genommen werden:

  • zur (Mit-)Finanzierung größerer Investitionen für Immobilien, Maschinen und Geräte
  • für die Wachstumsfinanzierung, um z.B. ein Produkt in den Markt einzuführen
  • für besonders kostenintensive technologieorientierte Gründungen
  • zur erfolgreichen Bewältigung von Turn-around Situationen

Dabei stellt ein Unternehmen, eine Bank, ein Versicherungsunternehmen oder eine sogenannte Beteiligungsgesellschaft Existenzgründer/innen Kapital zur Verfügung, obwohl sie keine ausreichenden Kreditsicherheiten vorweisen können. Venture Capital ist dabei nichts anderes als Eigenkapital, das dem Unternehmen von Beteiligungsgesellschaften oder außen stehenden Privatpersonen zur Verfügung gestellt wird. Diese Beteiligungsgesellschaften kaufen einen Anteil am Unternehmen; mit dem Verkaufserlös finanziert der Unternehmer seine Geschäftstätigkeit. Der Investitionshorizont von Venture Capital Gesellschaften beträgt typischerweise fünf Jahre, bis sie Ihre Unternehmensanteile gewinnbringend verkaufen wollen.

Venture Capital kann in verschiedenen Entwicklungsphasen eines Unternehmens eingesetzt werden. Wird Finanzierung bereits ganz zu Beginn des Unternehmens durchgeführt, also zur Produktentwicklung und Ausarbeitung eines tragfähigen Geschäftsplanes so spricht man von einer „Seed-Finanzierung“. Bereits die ersten Marketingaktivitäten und Produktverkäufe werden in der Phase der „Start-up Finanzierung“ unterstützt. Ist ein Unternehmen bereits in der Wachstums- und Ausbauphase, wird mit Venture Capital zum Beispiel die Erhöhung der Produktionskapazität oder die Produkterweiterung ermöglicht (so genannte „Expansionsfinanzierung“).

Vorteile und Nachteile von Venture Capital

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Der Beitrag von Venture Capital Gesellschaften kann über die reine Eigenkapitalfinanzierung hinausgehen. Sie besitzen vor allem Kenntnisse von Technologiepotenzial, Marktstruktur und Erfolgsfaktoren, beraten das Wachstumsunternehmen bei der Beschaffung öffentlicher Fördermittel und legen die Basis für die Bereitstellung von Bankmitteln. Vor allem aber bieten sie Management-Beratung und Kontakte beim Wachstum sowie beim Aufbau industrieller Kooperationen. Ein gutes Netzwerk und langjährige Markt- und Branchenerfahrung zeichnen erfolgreiche Venture Capital Gesellschaften aus.

Allerdings lassen sich Venture Capital Gesellschaften meist vertraglich umfangreiche Mitspracherechte zusichern. Seien Sie sich bewusst, dass Sie dann unter Umständen nicht mehr „Herr im eigenen Hause“ sind. So können manche strategische Entscheidungen wie ein eventueller Verkauf der Firma von den Venture Capital Gebern allein entschieden werden. Darüber hinaus dürfen Sie nicht vergessen, dass nach Ablauf der Betreuungsphase der Ausstieg der Venture Capital Gesellschaften erfolgt. Ziel der Venture Capital Gesellschaften ist es also, bis zum Ausstieg einen möglichst hohen Wertzuwachs zu realisieren. Sie wissen nicht, wer dann Ihr nächster Geschäftspartner sein wird – evtl. könnte es auch sein, dass sich eine Venture Capital Gesellschaft vertraglich zusichern lässt, dass Sie auf Wunsch auch Ihre eigenen Anteile veräußern müssen (so genannter drag along). Venture Capital Gesellschaften wollen natürlich auch möglichst günstige Konditionen aushandeln. Daher müssen Sie sich auf zähe Vertragsverhandlungen einstellen. Ein überzeugender Businessplan kann Ihre Position dabei verbessern.

Wo findet man Venture Capital?

Es gibt in Deutschland weit über 150 Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Welche Gesellschaft für welches Projekt in Frage kommt, erfahren Existenzgründerinnen beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in Berlin (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, BVK, www.bvk-ev.de). Auch die Unternehmens-Beteiligungs-Agentur der Deutschen Augleichsbank vermittelt im Rahmen von Unternehmenskooperationen Beteiligungskapitalgeber (Beteiligungsagentur der DtA, www.dta.de).

Da sich Venture-Capital-Gesellschaften in der Regel auf bestimmte Branchen konzentrieren, ist es immer ratsam, sich vorab einen Marktüberblick über die jeweiligen Spezialisierungen einzelner Gesellschaften zu verschaffen.

Wie bekommt man Venture Capital?

Um einen geeigneten Finanzierungspartner zu finden, muss die Geschäftsidee und die geplante Unternehmung überzeugend dargestellt werden. Oft jedoch investieren VC Geber zum Markteintritt oder Marktwachstum und nicht in ein Konzept. Venture Capital Gesellschaften investieren ausschließlich in Unternehmungen, die eine überdurchschnittliche Rendite für ihr Investment versprechen.

Grundlage hierfür bildet der Businessplan: Dieser geht auf die bisherige Unternehmensentwicklung ein, beinhaltet die Zukunftsplanungen und unternehmerischen Zielsetzungen, beschreibt das Produkt und sein Marktpotenzial und schätzt schließlich auch die Erfolgsaussichten ein. Fällt das Ergebnis der Projektprüfung und der Prüfung Ihrer Technologie durch die Venture Capital Gesellschaft positiv aus, beginnen konkrete Vertragsverhandlungen.

Business Angels

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Business Angels sind vermögende Privatpersonen mit der Bereitschaft, ihre Erfahrungen und eigenes Kapital in Unternehmensgründungen einzubringen. Business Angels wollen nicht nur finanziell am Erfolg eines viel versprechenden Unternehmens beteiligt sein. Sie wollen auch die eigene unternehmerische Kompetenz weitergeben, aussichtsreiche Existenzgründer zum Erfolg führen und schlicht Spaß am Aufbau und Wachstum einer Existenzgründung haben.

Vor allem für Unternehmen mit hohem Markt- und Wachstumspotential, die jedoch für Venture Capital Gesellschaften und andere Investoren noch nicht attraktiv sind, sind Business Angels von großer Bedeutung. Business Angels engagieren sich in erster Linie als Frühphasen Investoren.

Damit die Kontaktaufnahme und die spätere Beteiligung erfreulich verlaufen, gilt auch hier wieder für das junge Unternehmen: ein gut ausformulierter Businessplan ist von Bedeutung. Außerdem sollte die Kontaktaufnahme professionell betreut werden, damit Gründer/innen mit dem für sie besten Business Angel zusammenkommen.

Wie findet man einen Business Angel?

Der Kapitalmarkt auf dem Business Angels agieren ist nicht strukturiert und läuft auf informellen Wegen ab. Die Kultur des Business Angel Investments ist in Deutschland noch sehr jung und erst in den letzten Jahren ins öffentliche Bewusstsein getreten. In mehreren deutschen Großstädten gibt es bereits Business Angel Netzwerke und Business Plan Wettbewerbe, die oftmals Kontakte zu Business Angels haben.

Der überregionale Dachverband ist das Business Angels Network Deutschland (BAND). Unter www.business-angels.de stellen sich die deutschen Business Angels Netzwerke vor. Hier finden Sie lokale Ansprechpartner und werden mit Business Angels in Kontakt gebracht. Darüber hinaus hat BAND gemeinsam mit der KfW Bankengruppe und der Deutschen Börse AG unter www.business-angels-forum.de eine Internetvermittlung eingerichtet. Business Angels und Gründer präsentieren sich hier (in der Regel anonym) und können Kontakt zueinander aufnehmen.

Kunden und Geschäftspartner als Kapitalgeber

Auf der Suche nach Investitionskapital muss der Blick des Unternehmers nicht zwangsläufig in die Ferne schweifen. Warum nicht auf diejenigen zurückgreifen, die eh im geschäftlichen Kontakt mit dem Unternehmen stehen? Geschäftspartner und Kunden können dazu bereit sein, einen Lieferantenkredit bzw. Vorauszahlungen zu geben oder in das Unternehmen zu investieren.

Eine solche Beteiligung kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein:

  • Genussrechte,
  • stille Beteiligungen,
  • Kommanditbeteiligungen,
  • Genussscheine oder
  • Anleihen

Achten Sie hier auf die zeitliche Befristung der Überlassung des Kapitals. In diesem Zeitraum kann der Geschäftspartner oder Kunde an Ihrem unternehmerischen Erfolg teilnehmen. Dies kann Vorteile haben, da der Geldgeber einen weiteren Mitspieler in der Wertschöpfungskette unterstützt, auf den er eventuell angewiesen ist. Allerdings könnte es sein, dass dann der Geldgeber Einblick in Ihre Finanzzahlen hat und Sie somit Ihre Margen offen legen, was in Verhandlungen gegen Sie verwendet werden kann. Fragen Sie unbedingt nach Vorauszahlungen.

 

Dieser Artikel gibt rein die Meinung seines Autors wieder. existXchange.de hat den Inhalt dieses Artikels nicht überprüft und haftet somit nicht für dessen Inhalt.