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Die einzelnen Elemente Ihres Businesplans (Teil 2)

In Teil 1 meines Artikels bin ich auf Gestaltungstipps und mögliche Fehler eingegangen. Nun will ich Ihnen in einem kurzen Überblick die einzelnen Elemente eines Businessplans näherbringen. Im Internet und in spezieller Fachliteratur gibt es etliche Quellen, die das Thema ausführlicher behandeln (siehe auch Links und eine Buchbesprechung auf existXchange).

Tino Weissenrieder

Über den Autor

Tino Weissenrieder, Jahrgang 1973, hat an der Hochschule Offenburg sein Studium zum Dipl.Wirtsch.Ing (FH) absolviert. Seit 10 Jahren arbeitet er als freier Finanz- und Unternehmensberater. Beratungsschwerpunkt ist eine ganzheitliche Beratung in allen wirtschaftlichen Fragestellungen, individuell auf den Mandant zugeschnitten. Des weiteren ist er Dozent an Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach im Bereich Finanzdienstleistungen.

Homepage: www.xing.com/profile/Tino_Weissenrieder , Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Nickname: Tino Weissenrieder

Beschreibung stammt vom Autor; existXchange.de haftet nicht für die Richtigkeit oder den Inhalt.

In Ihrem Businessplan stellen Sie dar, wie Sie sich die Verwirklichung Ihres Geschäftsvorhabens vorstellen.

1. Gegenstand des Unternehmens

Beschreiben Sie in ein bis zwei Sätzen den Gegenstand Ihres Unternehmens: Name, Rechtsform, Firmensitz, Produkte, Artikel, Dienstleistung, Zielgruppe, Qualität, sonstige Eigenschaften. Ein Beispiel: "Die Firma XY GmbH mit Sitz in Musterhausen, Industrieunternehmen für die Montage elektronischer Chips und das Testen elektronischer Baugruppen."

 

2. Unternehmerprofil

Bei einer Neugründung beschreiben Sie Ihren persönlichen Werdegang, wie Sie zu Ihrer Unternehmensidee gekommen sind und was Sie vorhaben. Falls Sie eine Firma übernehmen, beschreiben Sie kurz die bisherige Geschichte und Entwicklung des Unternehmens:

  • Warum wird es übergeben? War es erfolgreich und worin lagen die Erfolgsfaktoren?
  • Waren diese an bisherige Personen gebunden? - Wenn es um eine Konsolidierung geht, begründen Sie bitte die Situation.

Bei Expansionsfinanzierungen:

  • Stellen Sie kurz die bisherige Unternehmensentwicklung und Ihre Ziele dar, die Sie erreichen wollen.

 

3. Rechtsform

Welche Rechtsform soll Ihr Unternehmen haben?

Wer ist in welcher Form Gesellschafter (Anteile) und wer erhält welche Entscheidungsbefugnisse?

Welche Funktionen werden von welchem Partner eingenommen und was qualifiziert ihn dafür (z. B. Ausbildung, Erfahrungen, Vermögen, Funktionen außerhalb des Betriebes)?

Welche Berater setzen Sie ein (Unternehmens-, Steuer-, Finanz-, Rechts-, Marketing-, Werbe-, EDV-Berater usw.)?

 

4. Leistungsprogramm und Zielgruppe

  • Beschreiben Sie Ihr Leistungsangebot:
  • Welche Leistungen werden selbst erbracht, welche werden zugekauft? In welcher Form, in welchem Umfang, in welcher Startgröße, in welchen Entwicklungsschritten?
  • Was sind die besonderen Eigenschaften Ihrer angebotenen Leistungen  (Produkteigenschaften, Dienstleistungseigenschaften, Preise, Qualitäten,Service, etc.)?
  • Welche Zielgruppen sprechen Sie an? Welchen Grundnutzen und welchen Zusatznutzen erhält der Kunde? Wie stellen Sie Kundenbindung her?
  • Wie unterscheiden sich Ihre Leistungen von der Konkurrenz?

 

5. Markt und Standort des Unternehmens

Begründen Sie Ihre Standortentscheidung: Art des Geschäfts, Bedürfnisse und Kaufgewohnheiten der Kunden, Kosten, Werbewirksamkeit, Image, Bebauungspläne, Platzbedarf, Verkehrsmittel und -anbindung, Parkplätze, Konkurrenten, Lieferanten, Rekrutierung von Mitarbeitern, Infrastruktur, Wachstumsmöglichkeiten, Flexibilität.

  • Was beabsichtigen Sie für die Zukunft (Modernisierung, Ausbau, Zukauf)?
  • Was sind Ihre Erfolgsfaktoren? Was sind Ihre strategischen Ziele (Marktführerschaft, Marktanteil, Ertrag, Bekanntheit)?
  • Welche Bedeutung und Auswirkungen haben äußere Entwicklungen und Trends möglicherweise für Sie?
  • Welche Chancen und Gefahren sehen Sie für Ihr Unternehmen?

 

 

6. Unternehmensphilosophie und -kultur

Die Kultur eines Unternehmens umfasst das Meinungs-, Norm- und Wertegefüge und prägt Ihre Mitarbeiter. Entwickeln Sie Ihre Unternehmensphilosophie. Sie wird Ihre Strategie beeinflussen und sich in Ihrem Unternehmen bemerkbar machen. Überprüfen Sie Ihre Leitsätze regelmäßig.

 

7. Organisation und Personalplanung

Stellen Sie anhand eines Organigramms die verschiedenen Funktionsbereiche Ihres Unternehmens dar, und entwerfen

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Sie entsprechende Stellenbeschreibungen: Bezeichnung der Stelle, Stelleninhaber, organisatorische und hierarchische Einordnung, Stellvertretung, detaillierte Aufgabenbeschreibung, Kommunikationswege, fachliche und disziplinäre Kompetenzen, Vollmachten, fachliche und persönliche Anforderungen an den Stelleninhaber. Stellen Sie anhand eines Ablaufdiagramms die wichtigsten Abläufe in Ihrem Unternehmen dar, und ermitteln Sie die Dauer der einzelnen Vorgänge (Grundlage für spätere Optimierungsansätze und Schwachstellenanalysen). Wie sieht das Management aus?

Ermitteln Sie branchenübliche Kennzahlen über Personaleinsatz (Anzahl, Umsatz pro Mitarbeiter, Wertschöpfung pro Mitarbeiter). Machen Sie sich Gedanken über Stellenbeschreibungen, Leistungszeit pro Jahr, Flexibilisierung der Arbeitszeit, Anpassungsmöglichkeiten an Änderungen in der Nachfrage (Spitzen und "Dellen"), Einbindung der Mitarbeiter, Verträge, Personalkosten etc. Wie decken Sie schwankende Beschäftigungsauslastungen ab (freie Mitarbeiter, Zeitausgleich)?

 

8. Einkaufs- und Lagerplanung

Erstellen Sie eine Lieferantenliste und begründen Sie Ihre Auswahl bezüglich Qualität, Verfügbarkeit, Flexibilität, Preis, Lieferbedingungen, Rabatte, Gegengeschäfte, Stornomöglichkeiten, persönliche Kontakte etc.

  • Welche Qualitätsgarantien gibt Ihr Lieferant?
  • Welche Lager und Lagerflächen müssen Sie für den technischen und kaufmännischen Bereich bereitstellen?

 

9. Marketingkonzept

Stellen Sie Ihr Marketingkonzept zusammen:

Produkt- und Sortimentspolitik, Preis- und Konditionspolitik, Vertriebspolitik, Kommunikationspolitik, Servicepolitik.

 

10. Finanzplanung

Wer wird für diesen Bereich zuständig sein bzw. wer wird Sie dabei unterstützen? Erstellen Sie einen Finanzplan für die nächsten drei Jahre.

Investitionsplan: Erstellen Sie eine Liste Ihrer Gründungsinvestitionen. Diese können Räume, Lager, Maschinen, Fahrzeuge, Schulungskosten, Beratungskosten usw. sein. Sind die Investitionen wirklich notwendig? Was macht Ihr Unternehmen so leistungsfähig wie möglich, ohne dass es Sie anfangs finanziell zu stark belastet

Kostenplan: Er enthält alle fixen Kosten (unabhängig davon, ob Sie Umsatz erwirtschaften) und die variablen Kosten, die in Zusammenhang mit Ihrem Geschäft stehen.

Umsatzplan: Führen Sie Ihre Netto-Umsatzerwartungen auf, das heißt ohne Mehrwertsteuer. Diese stellt nur einen Durchlaufposten dar, da Sie sie als Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen.

Rentabilitätsplan: Hier stellen Sie Ihre Kosten dem prognostizierten Umsatz gegenüber. Wenn Sie auf einen Verlust kommen, rechnen Sie alle Teilpläne noch einmal durch und ändern oder streichen Sie Ausgaben, die nicht unbedingt notwendig sind.

Liquiditätsplan: Er entspricht inhaltlich Ihrem Rentabilitätsplan. Die Einnahmen und Ausgaben werden hier jedoch in den Monaten eingetragen, in denen sie tatsächlich erwartet werden bzw. zur Zahlung fällig sind. Mit der Zahlungsmoral steht es allerdings oft nicht zum Besten: Im Schnitt vergehen zwei Monate, bis die Kunden Ihre Leistung bezahlen werden.

Finanzierungsplan: Neben den Zahlen aus der Kosten-, Umsatz- und Rentabilitätskalkulation stellen Sie hier dar, wie Sie Ihr Unternehmen finanzieren wollen, also welche Eigenmittel Sie haben (dies können neben Geld auch Computer und weitere betriebsnotwendige Güter sein). Sie bringen außerdem die Investitionen ein, die Sie fremdfinanzieren müssen und geben an, wann die Finanzspritze nötig sein wird

Folgende Unterlagen gehören in die Anlage Ihres Geschäftsplans:

  • Lebenslauf
  • Gesellschafterverträge
  • Mietverträge
  • Versicherungen
  • Schaubilder und Pläne
  • Rentabilitätsvorschau und  Liquiditätsvorschau

 

Der Gründer sollte folgende Fragen beantworten können:

  1. Zum Unternehmen: Wo liegt die zukünftige Positionierung Ihres Unternehmens, welche Faktoren sind erfolgsentscheidend?
  2. Zu Produkt oder Dienstleistung: Warum ist Ihr Angebot dem der Konkurrenz überlegen, wo liegt der Kundennutzen?
  3. Zum Markt: Wie groß ist das Marktpotenzial Ihres Produkts bzw. Ihrer Dienstleistung, wie haben Sie dieses Potenzial ermittelt?
  4. Zum Absatz und Vertrieb (Marketing): Wie sieht die Planung für den Markteintritt aus, welche Vertriebswege werden Sie beschreiten?
  5. Zu Schlüsselpositionen: Welche herausragenden Qualifikationen haben die Personen im Management Ihres Unternehmens, welche Erfolge haben Sie bereits erzielt?
  6. Zur Lernstrategie: Welche Vorbereitungen gibt es für künftig anstehende Entscheidungen, wurden die Zeitpunkte bereits festgelegt?
  7. Zur Fünf-Jahres-Planung: Wie robust ist Ihr Geschäftskonzept mittelfristig, wie Ihre Liquiditätsplanung?
  8. Zu Chancen und Risiken: Wie sieht das "best case scenario" und das "worst case scenario" für Ihr Unternehmen aus?
  9. Zum Finanzbedarf: Wieviel Kapital wird zu welchem Zeitpunkt benötigt, wer sind die Kapitalgeber, die eine langfristige Gesamtfinanzierung sicherstellen?   

Viel Erfolg !!!

Ihr Tino Weissenrieder

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Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder. Alle Rechte verbleiben beim Autor. Eine Vervielfältigung, Verbreitung und Neuauflage auch Auszugsweise ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers erlaubt. Zitate sind ausschließlich mit Herkunftsnachweis abzubilden. 

 

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