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Weniger Besucher, weniger Aussteller, weniger Ausstellungsfläche – wie sind diese Nachrichten angesichts der Wirtschaftskrise zu bewerten? Die Veranstalter ziehen ein positives Resümee für die Cebit 2009. Ob es sich hierbei um eine objektive Einschätzung oder blanken Euphemismus handelt, lässt sich nur sehr schwer einschätzen.
Was früher noch eine Pilgerstätte für Nerds und Technikbegeisterte war, entwickelt sich mehr und mehr zu einer reinen Business-Messe. Der Anteil der Fachbesucher, besonders aus dem Mittelstand, ist deutlich gestiegen. Feine Anzüge, anstatt durch Pferdeschwänze verdeckte, karierte Krägen, bestimmen nun endgültig das Antlitz der Cebit. Dies ist wohl auch auf die Rationalisierung der Stände zurückzuführen, die immer weniger Show für den Endverbraucher bieten.
Die Besucherzahlen sind um fast 100.000 auf nun 400.000 Besucher gesunken. Auch die vermietete Ausstellungsfläche liegt mit einem Minus von 20% deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die Anzahl der Aussteller sank sogar um 25% was besonders durch das Wegleiben vieler asiatischer Firmen (sogar Elektronik-Riesen wie Samsung und Toshiba) zu begründen ist. Dies sind die rückläufigsten Statistiken seit der ersten Cebit im Jahre 1986.
Die Stimmung der Aussteller war den miserablen Zahlen zum Trotz ausgesprochen gut. Allseits wurde von einer veränderten Arbeitsweise auf der Cebit gesprochen. Wie in allen Wirtschaftssegmenten wird rationalisiert und konkretisiert. So wurde beobachtet, dass Firmen zwar mit kleineren Teams anreisten, ihre Absichten jedoch konkreter vorbereitet waren als in den Vorjahren. Somit konnte die kleinere Kundenanzahl teilweise durch ambitioniertere Kunden wettgemacht werden.
Es heißt Zahlen sprächen eine deutliche Sprache, doch die Cebit 2009 straft diese Redensart teilweise Lügen. Natürlich gingen die Zahlen drastisch zurück, doch dies taten sie auch aufgrund der anderen Selbstwahrnehmung (siehe „Cebit im Wandel”) bereits in den letzten Jahren. Außerdem ist es vollkommen natürlich, dass eine weltweite Wirtschaftskrise Auswirkungen auf die weltweit größte Informationstechnik-Messe hat.
Häufig sind in Krisenzeiten die subjektiven Eindrücke die wirklich wichtigen. Wenn man das Stimmungsbild der Cebit 2009 mit dem der diesjährigen Motor Show in Detroit vergleicht, ist von Schwarzmalerei für die IT-Branche abzusehen. Sie soll den Vorjahresumsatz voraussichtlich in 2009 sogar halten können, was bei der Innovationsdichte auf der diesjährigen Cebit noch realistischer erscheint.
Seinen Anteil an positiven subjektiven Einflüssen auf die diesjährige Messe hatte ohne Frage Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der mit seiner amerikanischen Mentalität Hoffnung und Zuversicht verbreitete.
Ob die Messe tatsächlich als „Krisenkiller” wirken kann, wie Cebit Vorstandsmitglied Raue es verkündete ist vielleicht ein wenig übertrieben, doch sie wurde zumindest nicht lebensbedrohlich von der Weltwirtschaftskrise verletzt. Die Cebit 2010 mit Spanien als Partnerland wird zeigen, wie der Verlauf der diesjährigen Messe letztendlich zu bewerten ist.
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